Medienzentrum Frankfurt e.V.

Wir wollen Sie an dieser Stelle über Tendenzen und Entwicklungen der Medienpädagogik informieren. In loser Folge werden wir Beiträge veröffentlichen oder Links auf entsprechende Seiten legen. Wir freuen uns, wenn Sie sich mit Ihren Beiträgen und Hinweisen beteiligen. Schreiben Sie uns.
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Quo vadis Medienpädagogik?
- Bemerkungen zur aktuellen Entwicklung -


Seit Platons Höhlengleichnis, in dem Höhlenbewohner Schatten für die Wirklichkeit halten, beschäftigt sich die Menschheit mit diesen Fragen:
* Wie läßt sich das Abbild der Realität vermitteln?
* Wie wirken die Medien und ihre Inhalte auf junge und erwachsene Menschen?
* Wie sieht es aus mit den Wechselwirkungen von medientechnologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.
Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen machte es notwendig, den Medienbegriff immer wieder neu zu definieren. Wie die Geschichte zeigt, beinhalten diese Neudefinitionen in der Regel Erweiterungen des Medienbegriffes. Wir sehen es an einer Aufzählung: Musikinstrumente, Malerei, Schrift, Buch- und Gafikdruck (hier beginnt die sogenannte Massenkommunikation) Fotografie; Film, Radio, Fernsehen, Computer und nun, das vorläufige nonplusultra, die Datenkommunikation, das Internet. Fällt Ihnen etwas auf? Keines der neuentwickelten Medien hat dazu geführt, dass ein schon vorhandenes obsolet wurde - nicht so, wie bei anderen Erfindungen. Das Auto, hat bekanntermaßen die Pferdedroschke verdrängt. - Neue Medien bedienten sich immer der schon vorhandenen und integrierten sie. Das geschah sowohl auf der technischen, als auch auf der inhaltlichen Ebene. Modern ausgedrückt: "Multimedia" hat seine Vorgänger. Medien wurden und werden dazu benutzt, um Informationen zu vermitteln, sie werden aber auch verwendet, um Meinungen und Ideologien zu transportieren, um Einfluss zu nehmen. In erster Linie aber haben sie faktisch die Funktion, Unterhaltung zu liefern, und das von frühester Kindheit an. Neben dem multimedialen Aspekt ist deshalb auch ein Multiwirkungseffekt zu sehen, weil die genannten Funktionen der Mediennutzung vermischt sind. Medienentwicklungen und gesellschaftliche Entwicklungen stehen deshalb in einer Wechselwirkung.

Warum dieser Blick zurück?
Medienpädagogik hat in der Vergangenheit ein Mauerblümchendasein gefristet. Höchstens dann, wenn die Wirkungen aus dem Ruder zu laufen schienen, wurde nach den Medienpädagogen gerufen. Ich erinnere an die Schundliteraturkampagne der 50er Jahre und die Diskussion um Video und Gewalt der 80er und frühen 90er.
Seit Internet aber ist Medienpädagogik in aller Munde, Schule soll sich verstärkt um Medienpädagogik kümmern, Gelder werden bereitgestellt - Hallo Kolleginnen und Kollegen von der Medienpädagogik es geht aufwärts, man nimmt uns wahr! - Doch leider nur auf den ersten Blick. Sehen wir uns die Begrifflichkeit der sogenannten medienpädagogischen Diskussion an: Informationsgesellschaft, Medienkompetenz, Netzwerkmanagement, Support-Center,... Die Liste ließe sich erweitern.
Woher kommt es, dass solche Organisations- und Techniktermini um sich greifen, inhaltliche Auseinandersetzungen aber scheinbar im Hintergrund bleiben (abgesehen von der aktuellen Diskussion von Neoanzi- oder Pornoinhalten im Netz, die aber meist nicht unter pädagogischen, sondern unter juristischen oder gar technischen Aspekten geführt wird).

Wie ist das zu erklären?
Bei den neuen Medien handelt es sich nicht um neue Medien, sondern um neue Technologien, die sich herkömmlicher Medien bedienen. Die Entwicklung dieser Technologien geht so schnell voran wie nie. Die Auswirkungen auf die gesellschaftliche Realität der näheren Zukunft lässt sich nur erahnen. Zunehmend werden IT - Fachleute benötigt. Ausbildungsbewerber haben ohne PC- Grundkenntnisse immer weniger Chancen. Die Gesellschaft drängt deshalb, nicht grundlos, auf Veränderungen der schulischen Ausbildung. Schule muss sich intensiv mit den (noch) neuen Technologien beschäftigen. Sie legt zunächst Wert auf die Vermittlung von Medienkompetenzen im Sinne der technischen Handhabung von Soft- und Hardware. Das ist notwendig, und muss möglichst mit der Geschwindigkeit erfolgen, mit der die Medientechnologien selbst weiterentwickelt werden. Ich halte es für falsch, wenn wir glauben, die neuen Technologien würden plötzlich alle anderen Medien ersetzen können. Es ist keine Maschinenstürmerei, wenn angemerkt wird, dass bisherige Medien noch ihren Platz in Schule und ausserschulischer Bildung haben. Es erinnert allerdings etwas an Bilderstürmerei, wenn Medien wie Film oder auch Video in die Mottenkiste gesteckt werden sollen. Natürlich wird es in Zukunft andere Formen der Distribution geben. Bis alle Schulen jedoch über Datennetze Zugriff auf Bewegtbild in akzeptabler Qualität in Echtzeit haben können, werden noch einige Jahre vergehen. Bis dahin sind Formen der materiellen Distribution, also des Verleihs von Medien notwendig. Wir erfahren momentan keine Revolution der Medien, sondern eine, zugegebenermaßen rasante Veränderung, die auch eine stetige Veränderung der Agenturen verlangt, die Medien im Bildungsbereich verbreiten.
Ich halte es auch für falsch die Funktion der Medien auf die der Informationsvermittlung zu reduzieren, wie es zur Zeit oft geschieht. Gerade mit dem Internet ist erstmals in der Mediengeschichte die Möglichkeit geschaffen, Medien selbstbestimmt in dem Sinne zu nutzen, dass der Einzelne nicht nur produzieren sondern auch publizieren kann. Das setzt aber neben den mittlerweile gegebenen technischen Mitteln das Können voraus, sich mit dem Instrumentarium selbst zu artikulieren. Notwendig ist, neben den Qualifikationen Standardprogramme oder auch Suchstrategien zu beherrschen, die Fähigkeit, sich selbst mit medienadäquaten Mitteln zu artikulieren, Medien zu nutzen, um sich mit sich selbst und seiner Umwelt auseinanderzusetzen. Die erprobten Formen der sogenannten aktiven Medienarbeit sind hier zu verwenden und weiterzuentwickeln. In Ergänzung der klassischen Kulturtechniken: Lesen, Schreiben, Rechnen müssen mediale Ausdrucksformen erlernt werden. Es ist eigentlich eine mediale Alphabetisierung notwendig und zwar zunächst die der Lehrerinnen und Lehrer. Sie müssen sich mit dem Medienalltag der Kinder und Jugendlichen auseinandersetzen und deren Mediensprache erlernen. Die Alltagsmedien Musik, Video und Film und auch Computerspiele beinflussen die Sozialisation immer noch weit mehr, als z.B. das Internet. Deshalb ist eine Engführung des Medienbegriffes nur auf die sogenannten neuen Technologien nicht zulässig. Die pädagogische Auseinandersetzung mit den Medien muss im Gegenteil umfassend und in diesem Sinne multimedial sein.

Anmerkung: Mediale Ausdrucksformen von Jugendlichen können Sie während der 14. Hessischen Jugendfilmtage erleben, die vom 8. Bis 10. November stattfinden. Informationen unter
www.mediahessen.de

Christof Heun